Freizeit-Orte sammeln

Der Hintergrund: Kinder bewegen sich täglich durch ihren Stadtteil und kennen viele Orte, die für ihr Leben wichtig sind: Spielplätze, Parks, Sportflächen, Vereine oder Bibliotheken. Diese Orte prägen ihren Alltag, ihre Freizeit und ihr Wohlbefinden. Für Schulen bietet die Auseinandersetzung mit dem Sozialraum die Möglichkeit, die Lebensrealität der Kinder besser kennenzulernen und Bildungsangebote stärker mit dem Stadtteil zu verknüpfen.

Das Projekt: Die Kinder erkunden ihre Lieblingsorte im Stadtteil und dokumentieren, wo sie gerne Zeit verbringen. Sie tauschen sich über ihre Freizeit aus und entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Alltag. Dabei werden sie als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt sichtbar.

1/0
Mitgestalten

Freizeit-Orte

4 Tage Stadtteil Klasse 2–4
Dauer 4 Projekttage – kompakt oder über mehrere Wochen verteilt
Klassenstufe 2. bis 4. Klasse
Fachbezug Sachunterricht (Sozialraum), Medienkompetenz, Sprache
Voraussetzung Tablets – ein Gerät pro Gruppe genügt
App-Lizenz #stadtsache, 30 € inkl. MwSt. pro Klasse. Aufgaben sind vorbereitet und lassen sich anpassen oder ergänzen. Alle Ergebnisse stehen am Ende als Download zur Verfügung.
Ergebnis Alle Ergebnisse aus der App lassen sich präsentieren und als Klassen-Doku auf Pinnwand oder Smartboard festhalten

Wirkung in Klasse und Schule: Stadtteilkarte präsentieren

Worum geht’s?

Kinder erkunden ihre eigene Freizeitumgebung und tauschen sich darüber aus, wo sie nachmittags und am Wochenende gerne sind. Spiel- und Sportflächen, Parks, Vereine, Bibliotheken, Cafés – sie sammeln Orte, die für sie als Kinder bedeutsam sind, und dokumentieren sie mit der App #stadtsache.

Was am Ende entsteht, ist eine digitale Karte der Freizeit-Orte aus Kinderperspektive. Sie zeigt der Schule, welche Angebote es im Umfeld gibt und welche Bedarfe die Kinder selbst formulieren – wertvolle Hinweise, wie schulische Arbeit stärker mit dem Stadtteil verknüpft werden kann.

Was lernen Kinder?

Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen auf Sachunterricht (Sozialraum) und Medienkompetenz gleichermaßen zurück:

01 Sie reflektieren ihre eigenen Freizeitinteressen und tauschen sich darüber aus.
02 Sie machen ihre Perspektive auf die Freizeitumgebung sichtbar.
03 Sie zeigen aus Kinderperspektive, welche Angebote es gibt und was fehlt.
04 Sie stärken persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen.

So läuft’s ab

Vier Projekttage über mehrere Wochen verteilt oder als kompakte Projektwoche. Vor der Stadtteilerkundung sammelt die Klasse ihre Freizeit-Orte und ordnet sie fünf Themen zu, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt werden.

Vor dem Start: Was die Lehrkraft vorbereitet

Eltern kurz informieren. Kinder gehen in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zur Aufgabe und zum Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.

Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Cafés, Vereinsräumen oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel kurz fragen – oder bewusst Außenansichten, Schilder und Eingangsbereiche statt Innenräume wählen.

Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Auswahl per Audio. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.

Wegstrecken vorab festlegen. Freizeit-Lieblingsorte liegen häufig weiter auseinander als allgemeine Stadtteil-Punkte. Routen, Sammelpunkte und Treffpunkte mit vertrauten Erwachsenen vorab festlegen. Eltern können als Begleitung eingebunden werden.

Aus den gesammelten Freizeit-Orten werden fünf Themen für die App #stadtsache. So erscheinen sie als Sammlungen:

Kultur & Vergnügen
  • Was kannst du hier entdecken, ansehen oder ausprobieren?
  • Wann gehst du am liebsten hin – allein oder mit anderen?
  • Was sollte man wissen? (Öffnungszeiten, Preise, Alter)
Sport & Bewegung
  • Was kann man hier machen – toben, spielen, trainieren?
  • Brauchst du Ausrüstung oder eine Anmeldung?
  • Mit wem bist du hier am liebsten?
Spielplatz
  • Was macht diesen Spielplatz für Kinder besonders?
  • Für welches Alter ist er geeignet?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du dort bist?
Park & Natur
  • Was kannst du hier draußen machen?
  • Was beobachtest du an Pflanzen, Tieren, Wetter?
  • Gibt es einen Lieblingsplatz?
Essen
  • Was gibt es hier zu essen oder zu naschen?
  • Gehst du mit Freundinnen und Freunden oder mit Familie hin?
  • Was muss man wissen? (Preise, Sitzplätze, Auswahl)

Tag 1: Einstimmen

Freizeit-Orte sammeln · Stadtteilkarte

Die Klasse spricht über Freizeitinteressen und -gewohnheiten: Was macht ihr gerne in eurer Freizeit? Daraus ergeben sich Orte im Stadtteil, die auf Post-its gesammelt und gebündelt werden.

In kleinen Gruppen werden die Orte auf großformatigen, analogen Stadtteilkarten eingetragen. Ein kurzer Rückblick und Ausblick schließen den Tag ab.

Tag 2: Einstieg in die App

App kennenlernen · Schulhof-Erprobung

Die Klasse lernt die App #stadtsache kennen – entweder über „Technik-Kids“, die ihr Wissen anschließend an die Gruppe weitergeben, oder gemeinsam als ganze Klasse. Auf dem Schulgelände werden erste Fotos gemacht, mit einer Aufgabe, die nah am späteren Stadtteil-Auftrag liegt: „Wo auf dem Schulgelände verbringst du deine Freizeit?“

Die Aufnahmen werden gleich am Tablet bearbeitet und gemeinsam ausgewertet.

Tag 3: Erkunden und Bearbeiten

Stadtteil-Erkundung · Aufnahmen sichten

Vor dem Loszug klärt die Klasse vier Punkte: Gruppen bilden (etwa vier Kinder), Aufgaben und Freizeit-Orte besprechen, Impulse für gute Begründungen vereinbaren, App-Regeln festlegen. Dann ziehen die Gruppen mit Tablets in den Stadtteil und suchen die ausgewählten Orte auf, fotografieren, filmen, kommentieren.

Zurück in der Schule sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie durch Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Ergebnis: eine digitale Karte mit den ausgewählten Orten.

Impulse für gute Begründungen
  • Was kann man an diesem Ort machen?
  • Warum ist dieser Ort für Kinder interessant?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
  • Was muss man sonst noch über den Ort wissen? (z. B. Öffnungszeiten, Preise, Altersbegrenzung, Regeln)
App-Regeln für die Kinder
  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
  • Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
  • Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
  • Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
  • Hab Spaß.

Tag 4: Präsentieren

Stadtteilkarte zeigen · Plenum · Doku

In den Gruppen werten die Kinder ihre Aufnahmen aus und wählen zwei bis drei aus, die sie präsentieren wollen. Mit der digitalen Karte zeigen sie die Orte den Mitschüler:innen und erklären, was an ihnen besonders ist.

Anschließend reflektiert die Klasse im Plenum: Welche Freizeit-Orte gefallen dir besonders? Welche weniger? Was wünschst du dir? Die wichtigsten Erkenntnisse werden im Klassenraum dokumentiert, etwa an einer Pinnwand oder auf dem Smartboard. Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Urkunde.

Abschluss: Stadtteilkarte präsentieren

Am vierten Projekttag werden die Erkenntnisse sichtbar gemacht – erst durch die Gruppen-Präsentation mit der digitalen Karte, dann durch eine gemeinsame Reflexion und Dokumentation in der Klasse.

Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Aufnahmen Anlass für ein gemeinsames Gespräch werden. Aus vielen einzelnen Sichten entsteht eine geteilte Sicht der Klasse auf den Stadtteil. Und die Dokumentation an Pinnwand oder Smartboard hält die Erkenntnisse präsent – als Erinnerung an das, was die Kinder über ihre Freizeit-Orte herausgefunden haben.

Präsentation mit der digitalen Karte

Die Gruppen zeigen ihren Mitschüler:innen jeweils zwei bis drei Aufnahmen mit Hilfe der digitalen Karte. Sie erklären, was an den Orten besonders ist, wie sie dort Zeit verbringen und worauf andere achten sollten. So entsteht eine geteilte Sicht auf den Stadtteil.

Reflexion und Klassen-Doku

Im Anschluss reflektiert die Klasse im Plenum: Welche Freizeit-Orte gefallen dir besonders, welche weniger, was wünschst du dir? Die Antworten werden an einer Pinnwand oder auf dem Smartboard festgehalten und bleiben so im Klassenraum sichtbar.

Tipps und Stolpersteine

Kleine Gruppen funktionieren besser. Etwa vier Kinder pro Tablet erleichtern Abstimmungen und sorgen dafür, dass alle zum Fotografieren kommen. Gruppen lassen sich gut nach geteilten Freizeitinteressen zusammensetzen.

Lehrkräfte als Anker im Stadtteil. Die Kinder ziehen eigenständig los, fühlen sich aber besonders sicher, wenn sie wissen, wo sie eine vertraute Person treffen können. Eltern können die Begleitung mittragen.

Fotos aus der App im quadratischen Format ausdrucken. Sonst geht beim Gestalten der Klassen-Doku schnell wichtige Information am Rand verloren.

Persönliches Portfolio anlegen lassen. Die Ergebnisse der Projektwoche können von den Kindern in einem Portfolio gesammelt werden – mit ausgedruckten Fotos, eigenen Texten oder anderen Materialien.

In Geschäften und Cafés kurz fragen. Bevor Kinder Schaufenster, Auslagen oder Inhaber:innen fotografieren, lieber kurz nachfragen. Das nimmt Konflikte vorweg und macht aus dem Foto-Auftrag ganz nebenbei eine Übung in Höflichkeit und Stadtteil-Beziehung.

Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Auswahl per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern.

Nach dem Projekt

Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen

Frage 1 Welche Freizeit-Orte haben mich überrascht – und was sagt das über mein Bild davon aus, womit Kinder ihre freie Zeit verbringen?
Frage 2 An welcher Stelle haben Kinder Kompetenzen oder Interessen gezeigt, die mir im Schulalltag selten begegnen?
Frage 3 Was lässt sich aus der Klassen-Doku für die schulische Arbeit ableiten – an welcher Stelle ließe sich Unterricht an die Lebensrealität anschließen?

Material

Materialaufwand insgesamt gering. Was du brauchst:

Analoge Stadtteilkarten Mindestens DIN A3, selbst ausgedruckt, in der Touristeninformation abgeholt oder im Souvenir-Shop gekauft.
Post-Its Zum Sammeln und Bündeln der Freizeit-Orte am Tag 1.
Tablets Mit der App #stadtsache. Pro Gruppe ein Gerät reicht.
Handout für die Erkundung Übersicht über Aufgaben und Freizeit-Orte. Blankoversion zum individuellen Befüllen.
Pinnwand oder Smartboard Für die Dokumentation der Erkenntnisse am Tag 4.
Urkunde zum Abschluss Würdigt die selbstständige Auseinandersetzung.

Aus der Praxis: Grundschule Thadenstraße

Das Projekt wurde an der Grundschule Thadenstraße in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und St. Pauli entwickelt und erprobt. Vier Klassen der Jahrgangsstufe 3 nahmen teil. Die vier Projekttage waren über mehrere Wochen verteilt: Tag 1 in der ersten Woche, Tag 2 und 3 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der zweiten Woche, Tag 4 in der dritten Woche.

Bei der Stadtteilerkundung am dritten Projekttag waren die Kinder unter anderem am Hamburger Hafen und am Bunker auf St. Pauli unterwegs. Ihre Beobachtungen flossen am vierten Projekttag in eine gemeinsame Präsentation mit der digitalen Karte und in eine Reflexion im Plenum ein.

Quelle: ScrollyPage „Freizeit-Orte“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).

Vorlagen zum Ausdrucken:

Die Aufgaben in der App und die darin enthaltenen Freizeit-Orte sollten noch einmal gemeinsam mit den Kindern besprochen werden. Dabei können die ausgedruckte Handouts unterstützen. Es handelt es sich um eine Blankoversion, die um ausgewählte Orte ergänzt werden kann.

1 x pro Team ausdrucken

Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde. Sie würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

1 x pro Kind ausdrucken