- Was kannst du hier entdecken, ansehen oder ausprobieren?
- Wann gehst du am liebsten hin – allein oder mit anderen?
- Was sollte man wissen? (Öffnungszeiten, Preise, Alter)
Freizeit-Orte sammeln
Der Hintergrund: Kinder bewegen sich täglich durch ihren Stadtteil und kennen viele Orte, die für ihr Leben wichtig sind: Spielplätze, Parks, Sportflächen, Vereine oder Bibliotheken. Diese Orte prägen ihren Alltag, ihre Freizeit und ihr Wohlbefinden. Für Schulen bietet die Auseinandersetzung mit dem Sozialraum die Möglichkeit, die Lebensrealität der Kinder besser kennenzulernen und Bildungsangebote stärker mit dem Stadtteil zu verknüpfen.
Das Projekt: Die Kinder erkunden ihre Lieblingsorte im Stadtteil und dokumentieren, wo sie gerne Zeit verbringen. Sie tauschen sich über ihre Freizeit aus und entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Alltag. Dabei werden sie als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt sichtbar.
Freizeit-Orte
Wirkung in Klasse und Schule: Stadtteilkarte präsentieren
Worum geht’s?
Kinder erkunden ihre eigene Freizeitumgebung und tauschen sich darüber aus, wo sie nachmittags und am Wochenende gerne sind. Spiel- und Sportflächen, Parks, Vereine, Bibliotheken, Cafés – sie sammeln Orte, die für sie als Kinder bedeutsam sind, und dokumentieren sie mit der App #stadtsache.
Was am Ende entsteht, ist eine digitale Karte der Freizeit-Orte aus Kinderperspektive. Sie zeigt der Schule, welche Angebote es im Umfeld gibt und welche Bedarfe die Kinder selbst formulieren – wertvolle Hinweise, wie schulische Arbeit stärker mit dem Stadtteil verknüpft werden kann.
Was lernen Kinder?
Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen auf Sachunterricht (Sozialraum) und Medienkompetenz gleichermaßen zurück:
So läuft’s ab
Vier Projekttage über mehrere Wochen verteilt oder als kompakte Projektwoche. Vor der Stadtteilerkundung sammelt die Klasse ihre Freizeit-Orte und ordnet sie fünf Themen zu, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt werden.
Eltern kurz informieren. Kinder gehen in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zur Aufgabe und zum Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.
Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Cafés, Vereinsräumen oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel kurz fragen – oder bewusst Außenansichten, Schilder und Eingangsbereiche statt Innenräume wählen.
Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Auswahl per Audio. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.
Wegstrecken vorab festlegen. Freizeit-Lieblingsorte liegen häufig weiter auseinander als allgemeine Stadtteil-Punkte. Routen, Sammelpunkte und Treffpunkte mit vertrauten Erwachsenen vorab festlegen. Eltern können als Begleitung eingebunden werden.
Aus den gesammelten Freizeit-Orten werden fünf Themen für die App #stadtsache. So erscheinen sie als Sammlungen:
- Was kann man hier machen – toben, spielen, trainieren?
- Brauchst du Ausrüstung oder eine Anmeldung?
- Mit wem bist du hier am liebsten?
- Was macht diesen Spielplatz für Kinder besonders?
- Für welches Alter ist er geeignet?
- Welches Gefühl hast du, wenn du dort bist?
- Was kannst du hier draußen machen?
- Was beobachtest du an Pflanzen, Tieren, Wetter?
- Gibt es einen Lieblingsplatz?
- Was gibt es hier zu essen oder zu naschen?
- Gehst du mit Freundinnen und Freunden oder mit Familie hin?
- Was muss man wissen? (Preise, Sitzplätze, Auswahl)
Tag 1: Einstimmen
Die Klasse spricht über Freizeitinteressen und -gewohnheiten: Was macht ihr gerne in eurer Freizeit? Daraus ergeben sich Orte im Stadtteil, die auf Post-its gesammelt und gebündelt werden.
In kleinen Gruppen werden die Orte auf großformatigen, analogen Stadtteilkarten eingetragen. Ein kurzer Rückblick und Ausblick schließen den Tag ab.
Tag 2: Einstieg in die App
Die Klasse lernt die App #stadtsache kennen – entweder über „Technik-Kids“, die ihr Wissen anschließend an die Gruppe weitergeben, oder gemeinsam als ganze Klasse. Auf dem Schulgelände werden erste Fotos gemacht, mit einer Aufgabe, die nah am späteren Stadtteil-Auftrag liegt: „Wo auf dem Schulgelände verbringst du deine Freizeit?“
Die Aufnahmen werden gleich am Tablet bearbeitet und gemeinsam ausgewertet.
Tag 3: Erkunden und Bearbeiten
Vor dem Loszug klärt die Klasse vier Punkte: Gruppen bilden (etwa vier Kinder), Aufgaben und Freizeit-Orte besprechen, Impulse für gute Begründungen vereinbaren, App-Regeln festlegen. Dann ziehen die Gruppen mit Tablets in den Stadtteil und suchen die ausgewählten Orte auf, fotografieren, filmen, kommentieren.
Zurück in der Schule sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie durch Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Ergebnis: eine digitale Karte mit den ausgewählten Orten.
- Was kann man an diesem Ort machen?
- Warum ist dieser Ort für Kinder interessant?
- Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
- Was muss man sonst noch über den Ort wissen? (z. B. Öffnungszeiten, Preise, Altersbegrenzung, Regeln)
- Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
- Nenne keine Namen.
- Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
- Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
- Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
- Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
- Hab Spaß.
Tag 4: Präsentieren
In den Gruppen werten die Kinder ihre Aufnahmen aus und wählen zwei bis drei aus, die sie präsentieren wollen. Mit der digitalen Karte zeigen sie die Orte den Mitschüler:innen und erklären, was an ihnen besonders ist.
Anschließend reflektiert die Klasse im Plenum: Welche Freizeit-Orte gefallen dir besonders? Welche weniger? Was wünschst du dir? Die wichtigsten Erkenntnisse werden im Klassenraum dokumentiert, etwa an einer Pinnwand oder auf dem Smartboard. Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Urkunde.
Abschluss: Stadtteilkarte präsentieren
Am vierten Projekttag werden die Erkenntnisse sichtbar gemacht – erst durch die Gruppen-Präsentation mit der digitalen Karte, dann durch eine gemeinsame Reflexion und Dokumentation in der Klasse.
Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Aufnahmen Anlass für ein gemeinsames Gespräch werden. Aus vielen einzelnen Sichten entsteht eine geteilte Sicht der Klasse auf den Stadtteil. Und die Dokumentation an Pinnwand oder Smartboard hält die Erkenntnisse präsent – als Erinnerung an das, was die Kinder über ihre Freizeit-Orte herausgefunden haben.
Präsentation mit der digitalen Karte
Die Gruppen zeigen ihren Mitschüler:innen jeweils zwei bis drei Aufnahmen mit Hilfe der digitalen Karte. Sie erklären, was an den Orten besonders ist, wie sie dort Zeit verbringen und worauf andere achten sollten. So entsteht eine geteilte Sicht auf den Stadtteil.
Reflexion und Klassen-Doku
Im Anschluss reflektiert die Klasse im Plenum: Welche Freizeit-Orte gefallen dir besonders, welche weniger, was wünschst du dir? Die Antworten werden an einer Pinnwand oder auf dem Smartboard festgehalten und bleiben so im Klassenraum sichtbar.
Tipps und Stolpersteine
Kleine Gruppen funktionieren besser. Etwa vier Kinder pro Tablet erleichtern Abstimmungen und sorgen dafür, dass alle zum Fotografieren kommen. Gruppen lassen sich gut nach geteilten Freizeitinteressen zusammensetzen.
Lehrkräfte als Anker im Stadtteil. Die Kinder ziehen eigenständig los, fühlen sich aber besonders sicher, wenn sie wissen, wo sie eine vertraute Person treffen können. Eltern können die Begleitung mittragen.
Fotos aus der App im quadratischen Format ausdrucken. Sonst geht beim Gestalten der Klassen-Doku schnell wichtige Information am Rand verloren.
Persönliches Portfolio anlegen lassen. Die Ergebnisse der Projektwoche können von den Kindern in einem Portfolio gesammelt werden – mit ausgedruckten Fotos, eigenen Texten oder anderen Materialien.
In Geschäften und Cafés kurz fragen. Bevor Kinder Schaufenster, Auslagen oder Inhaber:innen fotografieren, lieber kurz nachfragen. Das nimmt Konflikte vorweg und macht aus dem Foto-Auftrag ganz nebenbei eine Übung in Höflichkeit und Stadtteil-Beziehung.
Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Auswahl per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern.
Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen
Material
Materialaufwand insgesamt gering. Was du brauchst:
Aus der Praxis: Grundschule Thadenstraße
Das Projekt wurde an der Grundschule Thadenstraße in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und St. Pauli entwickelt und erprobt. Vier Klassen der Jahrgangsstufe 3 nahmen teil. Die vier Projekttage waren über mehrere Wochen verteilt: Tag 1 in der ersten Woche, Tag 2 und 3 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der zweiten Woche, Tag 4 in der dritten Woche.
Bei der Stadtteilerkundung am dritten Projekttag waren die Kinder unter anderem am Hamburger Hafen und am Bunker auf St. Pauli unterwegs. Ihre Beobachtungen flossen am vierten Projekttag in eine gemeinsame Präsentation mit der digitalen Karte und in eine Reflexion im Plenum ein.
Quelle: ScrollyPage „Freizeit-Orte“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).