Fotografiere Orte, an denen Müll liegt, der dort NICHT hingehört.
Müll im Stadtteil mappen
Der Hintergrund: Kinder begegnen im Alltag immer wieder Orten, an denen Müll sichtbar wird – auf Wegen, Plätzen oder an Treffpunkten im Stadtteil. Diese Beobachtungen bieten einen direkten Zugang zu Fragen von Umwelt, Alltagshandeln und gemeinschaftlicher Verantwortung.
Das Projekt: Die Kinder spüren Müllorte in ihrem Stadtteil auf, dokumentieren diese durch Fotos und setzen sich mit den Ursachen und Wegen von Müll auseinander. Sie untersuchen, wie Abfall entsteht und entsorgt wird, und entwickeln daraus ein Bewusstsein für umweltgerechtes Handeln im Alltag sowie Verantwortung für den eigenen Umgang mit Ressourcen.
Müll im Stadtteil
Wirkung in der Schule: Rollenspiel und Mülleimer-Design
Worum geht’s?
Kinder nehmen ihre direkte Umwelt bewusst wahr: Wo liegt Müll, der dort nicht hingehört? Welche Mülleimer fallen positiv auf, welche negativ? Mit der App #stadtsache dokumentieren sie ihre Beobachtungen und lernen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen.
Die Kinder erkunden unterschiedliche Orte im Stadtteil und beobachten, wie öffentliche Räume genutzt und gestaltet werden. Sie setzen sich mit dem Thema Müll im Alltag auseinander und überlegen gemeinsam, was zu einer angenehmen und sauberen Umgebung beiträgt. Dabei entwickeln sie Umweltbewusstsein, Verantwortungsgefühl und einen aufmerksamen Blick auf ihre Lebenswelt.
Was lernen Kinder?
Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen Sachunterricht, BNE und Medienkompetenz auf:
So läuft’s ab
Drei Projekttage, flexibel im Schulalltag verteilt oder kompakt am Stück. Die Erkundung folgt drei Aufgaben, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt sind:
Fotografiere Mülleimer, die dir besonders POSITIV auffallen. Begründe.
Wenn du willst, kannst du zusätzlich ein Emoji einfügen.
Fotografiere Mülleimer, die dir besonders NEGATIV auffallen. Begründe.
Wenn du willst, kannst du zusätzlich ein Emoji einfügen.
Eltern kurz informieren. Kinder gehen in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zur Aufgabe und zum Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.
Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Wohnhäusern oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel kurz fragen – oder bewusst Ausschnitte und Detailperspektiven wählen statt Innenansichten.
Sensibel mit dem Wohngebiete-Vergleich umgehen. Kinder leben in den verglichenen Gebieten. Vor dem Loszug klar besprechen, dass es um Strukturen und Bedingungen geht, nicht um Bewertung von Menschen. Beobachtungen sachlich halten, nicht in „besser/schlechter“ verfallen.
Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Auswahl per Audio. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.
Wegstrecken vorab festlegen. Die beiden Wohngebiete sollten gut zu Fuß erreichbar sein. Routen, Sammelpunkte und Treffpunkte mit vertrauten Erwachsenen vorab klären. Eltern können als Begleitung eingebunden werden.
Tag 1: Einstimmen
Gemeinsam überlegt die Klasse zunächst, wie in ihrem Stadtteil mit Müll umgegangen wird: Wie viele Mülleimer gibt es, wie sehen sie aus, wird Müll richtig getrennt, warum liegt Abfall manchmal auf der Straße? Anschließend werden Gruppen mit Kindern aus unterschiedlichen Wohngebieten gebildet. In diesen Gruppen arbeiten die Kinder mit analogen Stadtteilkarten (DIN A3), die zwei Wohngebiete zeigen, und tragen ihre Wohnorte ein.
Im zweiten Teil des Tages lernen die Kinder die App #stadtsache kennen. Direkt im Anschluss probieren sie die App auf dem Schulgelände aus – mit denselben Aufgaben, die später bei der Stadtteilerkundung eingesetzt werden. So entsteht ein erstes Bewusstsein dafür, wie Müll im eigenen Umfeld wahrgenommen und mit der App dokumentiert werden kann. Für den nächsten Tag bekommen die Kinder eine kleine Hausaufgabe: Wo in meinem Stadtteil liegt besonders viel Müll?
Tag 2: Erkunden und Bearbeiten
Vor dem Loszug klärt die Klasse drei Punkte: Gruppen bilden (drei bis vier Kinder, gemischt aus verschiedenen Wohngebieten), Aufgaben in der App besprechen, App-Regeln vereinbaren. Zusätzlich sammelt die Klasse, welche Eigenschaften „positive“ und „negative“ Mülleimer haben können – bunt, groß, barrierearm, überfüllt, kaputt.
Mit den Tablets ziehen die Gruppen in die zugewiesenen Wohngebiete und dokumentieren, was ihnen auffällt. Zurück in der Schule sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie mit Text, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Alle bearbeiteten Aufnahmen fließen in eine digitale Karte ein, die die Wahrnehmung von Müll im Stadtteil aus der Perspektive der Kinder sichtbar macht.
- Welches Gefühl hast du, wenn du an einen Ort denkst, an dem Müll liegt?
- Warum schätzt du den Mülleimer als positiv ein?
- Warum schätzt du den Mülleimer als negativ ein? Wie würdest du ihn verändern?
- Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
- Nenne keine Namen.
- Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
- Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
- Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
- Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
- Hab Spaß.
Tag 3: Präsentieren und Weiterdenken
Die Gruppen wählen drei bis vier Aufnahmen aus und zeigen sie mit Hilfe der digitalen Karte. Durch den Vergleich der Ergebnisse aus verschiedenen Wohngebieten werden Unterschiede sichtbar. Die Kinder lernen, ihre Umwelt genauer zu beobachten und Zusammenhänge zwischen Lebensbedingungen und dem Erscheinungsbild eines Wohngebiets zu erkennen.
Anschließend folgt das Weiterdenken in zwei Formaten: Im Rollenspiel „Bürgerversammlung“ schlüpfen die Kinder in unterschiedliche Rollen – Bürgermeister:in, Reporter:in, Bürger:innen – und konfrontieren die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister mit den Ergebnissen. Parallel oder im Anschluss gestalten die Kinder ihren „perfekten Mülleimer“ – auf Grundlage der zuvor gesammelten Eigenschaften, einzeln oder in Gruppen.
Zum Abschluss reflektiert die Klasse gemeinsam: Was hast du Neues gelernt? Wie hat sich deine Wahrnehmung des öffentlichen Raums verändert? Jedes Kind bekommt eine Urkunde.
Abschluss: Rollenspiel und Mülleimer-Design
Das Weiterdenken auf Tag 3 verlängert die Beobachtungen in zwei Formaten – eines argumentativ, eines gestalterisch:
Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben den Schritt vom Beobachten zum Argumentieren, weil sie im Rollenspiel ihre Sicht öffentlich vertreten müssen. Sie erleben den Schritt vom Argumentieren zum Gestalten, weil aus Kritik ein konkreter Entwurf entsteht. Und – falls aus dem Entwurf am Ende ein realer Mülleimer auf dem Schulhof wird – Selbstwirksamkeit: die Erfahrung, dass eigene Beobachtungen die Umgebung tatsächlich verändern.
Rollenspiel Bürgerversammlung
Die Kinder schlüpfen in unterschiedliche Rollen: Bürgermeister:in, Reporter:in, Bürger:innen. In dieser Konstellation stellen die Gruppen eine Bürgerversammlung nach, in der die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister mit den Ergebnissen konfrontiert wird. Die Kinder können ihre Beobachtungen argumentativ vertreten und verschiedene Perspektiven auf das Thema einnehmen. Rollenspiele werden auf freiwilliger Basis präsentiert.
Der perfekte Mülleimer
Auf Grundlage der gesammelten Eigenschaften – bunt, groß, barrierearm, gut auffindbar – gestalten die Kinder einzeln oder in Gruppen ihren perfekten Mülleimer. Die Entwürfe werden in einer kleinen Ausstellung präsentiert. Als weiterführende Idee kann ein gewählter Entwurf real umgesetzt und auf dem Schulhof platziert werden – ein konkretes Erleben von Selbstwirksamkeit.
Tipps und Stolpersteine
Gruppen aus verschiedenen Wohngebieten mischen. Drei bis vier Kinder pro Tablet, bewusst aus unterschiedlichen Wohngebieten zusammengesetzt. Das ermöglicht Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten und stärkt den Perspektivwechsel.
Erkundungs-Wege nicht zu weit auseinander. So bleiben die Wege zwischen den Wohngebieten gut eigenständig bewältigbar und die Kinder können sich auf das Beobachten konzentrieren.
Mülleimer-Entwurf als Brücke zur Selbstwirksamkeit. Wenn aus dem Entwurf am Ende ein realer Mülleimer auf dem Schulhof wird, erfahren Kinder, dass ihre Ideen ernst genommen werden und sie selbst aktiv etwas für ihre Umwelt tun können.
Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Auswahl per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern.
Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen
Material
Materialaufwand überschaubar. Was du brauchst:
Aus der Praxis: Schule An der Burgweide
Das Projekt wurde an der Schule An der Burgweide in Hamburg-Wilhelmsburg entwickelt und erprobt. Eine jahrgangsübergreifende Lerngruppe der Jahrgänge 4–6 hat das Projekt an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Donnerstag, Freitag, Montag) durchgeführt.
Verglichen wurden zwei Wohngebiete der Elbinsel: Kirchdorf-Süd – eine dicht bebaute Hochhaussiedlung – und ein Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern und Wohnblöcken. Über den Vergleich haben die Kinder Zusammenhänge zwischen Lebensbedingungen und Erscheinungsbild des Stadtteils sichtbar gemacht.
Quelle: ScrollyPage „Müll im Stadtteil“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).