Stadtteil erkunden

Der Hintergrund: Viele Kinder kennen ihren Stadtteil erstaunlich wenig bewusst – oder erleben ihn vor allem als etwas Vorgegebenes statt als einen Ort, den sie mitgestalten können.

Das Projekt: Mit „Mein Stadtteil“ erkunden Kinder ihre Umgebung aus eigener Perspektive, dokumentieren wichtige Orte mit der #stadtsache-App und werden zu Expertinnen und Experten ihres Lebensumfelds.

Mitgestalten

Mein Stadtteil

3 Tage Stadtteil Klasse 2–4
Dauer 3 Projekttage – kompakt oder über drei Wochen verteilt
Klassenstufe 2. bis 4. Klasse
Fachbezug Sachunterricht (Sozialraum), Medienkompetenz, Sprache
Voraussetzung pro Klasse 4–5 Tablets (GPS-fähig) – ein Gerät pro Team
App-Lizenz #stadtsache, 30 € inkl. MwSt. pro Klasse. Aufgaben sind vorbereitet und lassen sich anpassen oder ergänzen. Alle Ergebnisse stehen am Ende als Download zur Verfügung.
Ergebnis Alle Ergebnisse aus der App lassen sich zu Postern für einen Gallery-Walk verarbeiten

Wirkung in der Schule: Gallery-Walk

Worum geht’s?

Kinder erkunden ihren eigenen Stadtteil und werden sichtbar als Expert:innen ihrer Lebenswelt. Sie wählen Orte aus, die ihnen wichtig sind – den Lieblingsspielplatz, die Eisdiele, das Café, den Park, das Geschäft an der Ecke – und dokumentieren sie mit der App #stadtsache.

Was am Ende entsteht, ist eine digitale Karte des Stadtteils aus Kinderperspektive. Sie wird ergänzt durch Poster und eine öffentliche Präsentation in der Schule, zu der Mitschüler:innen, Lehrkräfte und Eltern eingeladen sind.

Was lernen Kinder?

Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen auf Sachunterricht (Sozialraum) und Medienkompetenz gleichermaßen zurück:

01 Sie machen ihre eigene Perspektive auf die Lebenswelt außerhalb der Schule sichtbar.
02 Sie identifizieren sich stärker mit ihrem Stadtteil und seinen Orten.
03 Sie stärken persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen.
04 Sie erleben ihre Schule als Teil des Stadtteils – und den Stadtteil als Teil von Schule.

So läuft’s ab

Drei Projekttage über drei Wochen verteilt oder als kompakte Projektwoche. Vor dem ersten Tag entwickelt die Klasse gemeinsam mit der Lehrkraft sechs Ortskategorien, die später in der App als Aufgaben erscheinen.

Vor dem Start: Was die Lehrkraft vorbereitet

Eltern kurz informieren. Kinder gehen in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zur Aufgabe und zum Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.

Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Schaufenstern oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel kurz fragen – oder bewusst Ausschnitte, Schilder, Eingangsbereiche wählen statt Innenräume.

Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Auswahl per Audio. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.

Wegstrecken vorab festlegen. Fußläufige Routen im Schulumfeld, klare Sammelpunkte und Treffpunkte mit vertrauten Erwachsenen. Eltern können als Begleitung eingebunden werden.

Aus diesen sechs Kategorien werden Aufgaben für die Kinder. So erscheinen sie in der App #stadtsache:

#Kunst & Kultur

Fotografiere Orte im Stadtteil, an denen du etwas entdecken, anschauen und selbst kreativ sein kannst.

#Leckeres

Fotografiere Orte im Stadtteil, an denen es etwas Leckeres zu essen oder zu naschen gibt.

#Bewegung & Spiel

Fotografiere Orte im Stadtteil, an denen du toben, Sport machen oder spielen kannst.

#Geschäfte

Fotografiere Orte im Stadtteil, an denen du einkaufen oder stöbern gehst.

#Park & Natur

Fotografiere Orte im Stadtteil, die im Grünen liegen – wo du draußen unterwegs sein, dich ausruhen oder spielen kannst.

#Sehenswürdigkeiten

Fotografiere Orte im Stadtteil, die man sich unbedingt angucken sollte.

Tag 1: Einstimmen

Einführung · App-Setup

Die Kinder lernen Stadtteilkarten lesen, markieren auf einer großen analogen Karte Orte, die ihnen wichtig sind, und sammeln sie auf Post-Its. Aus der Sammlung entscheidet die Klasse gemeinsam, welche Orte am Tag 2 erkundet werden. Zu diesen Orten entwickeln die Kinder erste Fragen – sie werden später zu Begründungs-Impulsen für die Erkundung.

Parallel werden ein paar Kinder als „Technik-Kids“ mit der App #stadtsache vertraut gemacht. Sie probieren auf dem Schulhof aus, wie das Fotografieren und Markieren funktioniert, und geben ihr Wissen anschließend an die Klasse weiter. Alternativ kann auch die gesamte Klasse von Anfang an in die App eingearbeitet werden.

Tag 2: Erkunden und Bearbeiten

Stadtteil-Erkundung · Aufnahmen sichten

Vor dem Loszug klärt die Klasse vier Punkte: Gruppen bilden (drei bis vier Kinder), Aufgaben in der App besprechen, Impulse für gute Begründungen vereinbaren, App-Regeln festlegen. Dann ziehen die Gruppen mit Tablets in den Stadtteil, fotografieren und filmen die ausgewählten Orte, machen Audioaufnahmen.

Zurück in der Schule sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie durch Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Ergebnis: eine digitale Karte mit allen ausgewählten Orten.

Impulse für gute Begründungen
  • Was macht diesen Ort für Kinder besonders?
  • Was machst du an diesem Ort?
  • Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
App-Regeln für die Kinder
  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
  • Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
  • Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
  • Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
  • Hab Spaß.

Tag 3: Präsentieren

Poster · Gallery-Walk · Urkunde

Die Gruppen wählen drei bis vier ihrer Aufnahmen aus und zeigen sie zunächst in der Klasse mit Hilfe der digitalen Karte. Anschließend gestalten sie Poster, in die sie ausgedruckte Fotos einkleben, malen, schreiben und ordnen.

Die Poster werden auf dem Schulhof aufgehängt – das ist der Gallery-Walk. Mitschüler:innen, Lehrkräfte und Eltern können durchlaufen, die Poster ansehen und mit den Kindern ins Gespräch kommen. Einige Kinder bringen Tablets mit und erklären die digitale Karte zusätzlich.

Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Urkunde, die die selbstständige Auseinandersetzung mit dem eigenen Stadtteil würdigt.

Abschluss: Gallery-Walk

Das Format kommt aus der Schulpraxis der Grundschule Thadenstraße und lässt sich gut auf andere Schulen übertragen. Falls Gallery-Walks an deiner Schule nicht etabliert sind, funktionieren auch klassische Formate: Elternabend, Schulversammlung, Schülerratssitzung oder eine schulinterne Ausstellung im Schulgebäude.

Die fertigen Poster werden im Außenraum aufgehängt – auf dem Schulhof, am Zaun, an Fassaden. Besucher:innen flanieren durch, betrachten und kommen mit den Kindern ins Gespräch. Anders als eine klassische Vortrags-Präsentation entsteht so ein offener, dialogischer Raum.

Pädagogisch wirkt der Gallery-Walk auf drei Ebenen: Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Arbeit wahrgenommen und ernst genommen wird. Ihre Perspektive auf den Stadtteil wird sichtbar – nicht nur intern in der Klasse, sondern für ein erweitertes Publikum. Und Eltern erleben ihre Kinder in einer Rolle, die im klassischen Elternabend selten Raum bekommt: als Expert:innen ihrer Lebenswelt.

Tipps und Stolpersteine

Kleine Gruppen funktionieren besser. Drei bis vier Kinder pro Tablet erleichtern Abstimmungen und sorgen dafür, dass alle zum Fotografieren kommen.

Lehrkräfte als Anker im Stadtteil. Die Kinder ziehen eigenständig los, fühlen sich aber besonders sicher, wenn sie wissen, wo sie eine vertraute Person treffen können. Eltern können die Begleitung mittragen.

Fotos aus der App im quadratischen Format ausdrucken. Sonst geht beim Postergestalten schnell wichtige Information am Rand verloren.

Stadtteilkarten lieber großzügig ausdrucken. Mindestens DIN A3, besser DIN A2. Vier Kinder, die sich um eine kleine Karte drängen, sehen wenig.

In Geschäften kurz fragen. Bevor Kinder Schaufenster, Auslagen oder Inhaber:innen fotografieren, lieber kurz nachfragen. Das nimmt Konflikte vorweg und macht aus dem Foto-Auftrag ganz nebenbei eine Übung in Höflichkeit und Stadtteil-Beziehung.

Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Auswahl per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern.

Nach dem Projekt

Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen

Frage 1 Welche Orte haben mich überrascht – und was sagt das über meinen Blick auf den Stadtteil aus, in dem ich unterrichte?
Frage 2 An welcher Stelle haben Kinder Kompetenzen gezeigt, die mir im Schulalltag selten begegnen?
Frage 3 Was nehme ich für den nächsten Durchgang mit – an Vorbereitung, an Gruppenbildung, an Begleitung im Stadtteil?

Material

Materialaufwand insgesamt gering. Was du brauchst:

Analoge Stadtteilkarten Mindestens DIN A3, selbst ausgedruckt oder im Souvenir-Shop gekauft.
Post-Its Zum Markieren der Orte auf der Karte am Tag 1.
Tablets Mit der App #stadtsache. Pro Gruppe ein Gerät reicht.
Handout für die Erkundung Übersicht über Aufgaben und Orte, plus Impuls-Fragen für die Kinder.
Druckerei für Poster Quadratisches Format für Fotos, damit nichts Wichtiges abgeschnitten wird.
Urkunde zum Abschluss Würdigt die selbstständige Auseinandersetzung.

Aus der Praxis: Grundschule Thadenstraße

Das Projekt wurde an der Grundschule Thadenstraße in den Hamburger Stadtteilen Altona-Altstadt und St. Pauli entwickelt und erprobt. Drei Klassen der Jahrgangsstufe 2 nahmen teil. Die drei Projekttage waren über drei Wochen verteilt.

Die Kinder entwickelten gemeinsam mit ihren Lehrkräften die sechs Ortskategorien, die später als Aufgaben in der App #stadtsache erschienen. Bei der Stadtteilerkundung am zweiten Projekttag waren die Kinder unter anderem an der Davidwache, im Hamburger Hafen und im Park Café unterwegs. Ihre Beobachtungen flossen am dritten Projekttag in Poster und eine digitale Karte ein, die anschließend in einem Gallery-Walk auf dem Schulhof allen Klassen, Lehrkräften und Eltern präsentiert wurden.

Quelle: ScrollyPage „Mein Stadtteil“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).

Vorlagen zum Ausdrucken:

Die Handouts helfen den Kindern beim Stadtrundgang den Überblick zu behalten. Zusätzlich geben sie Impulse, um die Bedeutung eines Ortes gut zu begründen.

1 x ausdrucken pro Team

Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde. Sie würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

1 x ausdrucken pro Kind