Welche Orte auf dem Schulgelände sind beliebt? Begründe.
Schule als Lebensraum verbessern
Der Hintergrund: Schule ist längst zum Lebensraum geworden, in dem Kinder oftmals mehr Wachzeit verbringen als zu Hause. Was weniger bekannt ist: Wie geht es ihnen in ihrer Freizeit in der Schule? Welche Orte nutzen sie gerne? Wo fühlen sie sich wohl? Welche Angebote fehlen? Welche Ideen haben sie, um Räume oder Situationen zu verbessern?
Das Projekt: Die Kinder erkunden ihren Schulalltag aus der Freizeit-Perspektive. Mit der #stadtsache-App dokumentieren sie ihre Beobachtungen und entwickeln Ideen für den Schulraum als besseren Lebensraum.
Schule als Lebensraum
Wirkung in Klasse und Schule: Schülerrat und Umfrage
Worum geht’s?
Kinder erkunden ihre Schule als gelebten Raum. An Ganztagsschulen ist die freie Zeit auf dem Schulgelände oft mehr als Pause: Lebens-, Lern- und Erfahrungsort, an dem Kinder essen, sich erholen, sich bewegen, gestalten oder lesen. Welche Orte und Angebote sie wahrnehmen, wie sie sie nutzen und bewerten, dokumentieren sie mit der App #stadtsache.
Was am Ende entsteht, ist eine digitale Karte des schulischen Lebensraums aus Kinderperspektive – Grundlage für partizipative Prozesse, in denen die Kinder aktiv an der Gestaltung ihres Schulalltags mitwirken.
Was lernen Kinder?
Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen auf Sachunterricht (Sozialraum) und Medienkompetenz gleichermaßen zurück:
So läuft’s ab
Drei Projekttage, flexibel in den Schulalltag integriert – als einzelne Tage über mehrere Wochen oder kompakt am Stück. Die Erkundung des Schulgeländes folgt drei Aufgaben, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt sind:
Gibt es Orte auf dem Schulgelände, die nicht beliebt sind? Begründe.
Hast du Ideen für neue Orte, an denen du gerne mehr Zeit verbringen würdest?
Mit Kolleg:innen und Schulleitung abstimmen. Andere Klassen wissen, dass eine Gruppe während der Unterrichtszeit das Schulgelände erkundet. Schulleitung kann auf den Schülerrat und die spätere Befragung gut vorbereitet sein – das macht die Anschluss-Schritte leichter.
Datenschutz unter Mitschüler:innen. Auch auf dem Schulhof gilt: keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen. Da hier andere Kinder anwesend sind, kommt das häufiger vor als bei einer Stadtteil-Erkundung – also vorab klar besprechen.
Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Auswahl per Audio. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.
Räume klären, die nicht erkundet werden. Lehrer:innenzimmer, Sekretariat, Räume anderer Klassen während des Unterrichts – diese Bereiche vorab benennen, damit die Gruppen wissen, was zugänglich ist und was nicht.
Tag 1: Einstimmen
Die Klasse steigt mit der Platzdeckchen-Methode in das Thema ein: Jedes Kind sammelt zunächst allein beliebte Orte auf dem Schulgelände, dann in Vierergruppen, dann im Plenum. Die Orte werden auf Post-its festgehalten und nach Ortstypen oder Aktivitäten geclustert. Anschließend richtet sich der Blick auf unbeliebte Orte: Was stört? Was müsste sich verändern, damit ein Ort bei Kindern beliebter wird?
Im zweiten Teil des Tages lernen die Kinder die App #stadtsache kennen. Entweder erhalten ausgewählte „Technik-Kids“ eine Einführung und geben ihr Wissen anschließend an die Klasse weiter, oder die Klasse lernt gemeinsam. Direkt im Anschluss probieren die Kinder die App auf dem Schulhof aus.
Tag 2: Erkunden und Bearbeiten
Vor dem Loszug klärt die Klasse vier Punkte: Gruppen bilden (drei bis vier Kinder), Aufgaben in der App besprechen, Impulse für gute Begründungen vereinbaren, App-Regeln festlegen. Dann erkunden die Gruppen mit Tablets das Schulgelände – am besten während der Unterrichtszeit, damit sie ungestört arbeiten und sich auf die Orte konzentrieren können.
Zurück im Klassenraum sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie mit Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Ergebnis: eine digitale Karte mit allen markierten Orten des Schulgeländes.
- Warum ist dieser Ort bei Kindern beliebt?
- Was machst du an diesem Ort?
- Wen triffst du an diesem Ort?
- Welches Gefühl hast du, wenn du an den Ort denkst?
- Was gefällt dir nicht an diesem Ort?
- Was könnte sich verändern, damit der Ort beliebter wird?
- Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
- Nenne keine Namen.
- Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
- Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
- Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
- Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
- Hab Spaß.
Tag 3: Präsentieren
Die Gruppen wählen drei bis vier ihrer Aufnahmen aus und zeigen sie zunächst in der Klasse mit Hilfe der digitalen Karte. Die Mitschüler:innen stellen Fragen, die Kinder erklären, was sie an den Orten beobachtet haben.
Anschließend gestalten die Gruppen Poster, die sich an den drei App-Aufgaben orientieren: beliebte Orte, unbeliebte Orte, Ideen für neue Orte. Dafür drucken sie ihre Fotos quadratisch aus, kleben, malen und beschriften.
Zum Abschluss reflektiert die Klasse gemeinsam – Was hast du Neues entdeckt? Was war besonders spannend? – und jedes Kind bekommt eine Urkunde.
Abschluss: Schülerrat und Umfrage
Die Ergebnisse machen die Sicht einer Klasse sichtbar. Damit daraus eine schulweite Auseinandersetzung wird, braucht es zwei Schritte – einen in die Gremien der Schule, einen in die Breite aller Kinder.
Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Beobachtungen tatsächlich gehört werden – in einem Gremium und über eine Befragung, die das ganze Haus erreicht. Die Schule bekommt eine Datenbasis aus Kinderperspektive, die sich für Schulentwicklungs- und Gestaltungsprozesse nutzen lässt. Und die Klasse erlebt, wie aus eigener Wahrnehmung ein partizipativer Prozess wird – Schritt für Schritt nachvollziehbar.
Schülerrat und Schulversammlung
Mehrere Kinder präsentieren ihre Poster und Ergebnisse auf einer Schülerratssitzung. Dort werden sie mit gewählten Vertreter:innen aus allen Klassen und Jahrgängen diskutiert. Auf der Schulversammlung – wo alle Kinder und Erwachsenen der Schule regelmäßig zusammenkommen – werden die Ergebnisse zusätzlich vorgestellt.
Befragung mit polliquest
Damit die Perspektive von möglichst vielen Kindern in die Gestaltung des Schulgeländes einfließt, wird eine Befragung mit der App polliquest aufgesetzt – die altersgerechte digitale Umfragen ermöglicht. Eine fertige Vorlage steht im Material zur Verfügung; die Befragung kann auch analog auf Papier durchgeführt werden.
Tipps und Stolpersteine
Erkundung im Unterricht statt in der freien Zeit. Die Kinder arbeiten ungestört und werden nicht von anderen Schüler:innen abgelenkt. Außerdem bleibt mehr Zeit, sich auf die Orte zu konzentrieren.
Kleine Gruppen funktionieren besser. Drei bis vier Kinder pro Tablet erleichtern Abstimmungen und sorgen dafür, dass alle zum Fotografieren kommen.
DIN A3 und farbige Post-its für die Platzdeckchen. Größere Bögen geben den Vierergruppen Platz; farbige Post-its helfen beim Clustern nach Ortstypen oder Aktivitäten.
Fotos quadratisch ausdrucken. Sonst geht beim Postergestalten schnell wichtige Information am Rand verloren.
Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Auswahl per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern.
Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen
Material
Materialaufwand insgesamt überschaubar. Was du brauchst:
Aus der Praxis: Grundschule Vizelinstraße
Das Projekt wurde an der Grundschule Vizelinstraße in Hamburg-Lokstedt entwickelt und erprobt. Eine 4. Klasse hat die drei Projekttage über zwei Wochen verteilt durchgeführt.
Im Anschluss präsentierten die Kinder ihre Ergebnisse auf einer Schülerratssitzung und auf einer Schulversammlung. Eine digitale Befragung mit polliquest gab allen Schülerinnen und Schülern der Schule die Möglichkeit, ihre Sicht auf die freie Zeit auf dem Schulgelände einzubringen.
Quelle: ScrollyPage „Mittagsfreizeit“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).