Zeige uns deinen sichersten Schulweg.
- Wo sind besonders sichere Übergänge, zum Beispiel an Zebrastreifen oder Ampeln?
- Was macht diese Stellen sicher?
DER HINTERGRUND: Der tägliche Schulweg ist für Kinder ein zentraler Teil ihres Lebensraums. Er verbindet Wohnumfeld und Schule und wird von vielen Kindern eigenständig zurückgelegt. Dabei sammeln sie vielfältige Erfahrungen mit Verkehr, Orientierung und ihrem Gefühl von Sicherheit im öffentlichen Raum. Diese Eindrücke sind eine wichtige Grundlage, um Fragen der Schulwegsicherheit altersgerecht zu thematisieren und die Wahrnehmung für Risiken und unterstützende Bedingungen zu schärfen.
DAS PROJEKT: Die Schülerinnen und Schüler erforschen ihren Schulweg als Teil ihres Lebensraums. Sie identifizieren Orte, an denen sie sich besonders wohl, sicher oder unsicher fühlen, und dokumentieren ihre Beobachtungen digital. Durch Austausch und gemeinsame Reflexion entwickeln sie ein Verständnis dafür, was einen sicheren Schulweg ausmacht. Ausgewählte Ergebnisse werden öffentlich im Stadtteil präsentiert und ermöglichen es den Kindern, ihre Perspektiven einzubringen und andere für das Thema Schulwegsicherheit zu sensibilisieren.
Wirkung im Stadtteil, öffentlich sichtbar: Spuren hinterlassen
Kinder erforschen ihren Schulweg als Teil ihres Lebensraums. Welche Orte fühlen sich sicher an, welche unsicher, wo wünschen sie sich Veränderungen? Mit der App #stadtsache halten sie ihre Beobachtungen fest und entwickeln im Austausch und in der gemeinsamen Reflexion ein Verständnis dafür, was einen sicheren Schulweg ausmacht.
Ausgewählte Ergebnisse werden am letzten Projekttag im Stadtteil öffentlich sichtbar gemacht – direkt an den Orten, an denen sie entstanden sind. Kinder erfahren so, dass ihre Beobachtungen Bedeutung haben und dass sie mit ihrem Wissen andere informieren und zur Schulwegsicherheit beitragen können.
Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen Sachunterricht, Mobilitätsbildung und Medienkompetenz auf:
Fünf Projekttage, flexibel im Schulalltag verteilt oder als kompakte Projektwoche. Die Erkundung der Schulwege folgt drei Aufgaben, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt sind:
Zeige uns deinen sichersten Schulweg.
Zeige uns die unsicheren Stellen auf deinem Schulweg.
An welchen Orten fühlst du dich unwohl?
Eltern kurz informieren. Kinder gehen mehrfach in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zu Ablauf, Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) und Begleitung schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.
Anbringen im öffentlichen Raum vorab klären. Der zentrale Schritt am Tag 5 funktioniert nur mit grünem Licht: erst mit der Schulleitung sprechen, dann – je nach Standort – mit Stadt, Bezirksamt oder Quartiersmanagement. Ohne Abstimmung kein Anbringen. Lieber zwei Wochen vorher klären als am Tag selbst improvisieren.
Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Wohnhäusern oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel bewusst Ausschnitte und Detailperspektiven wählen statt Innenansichten. Beim Anbringen am Tag 5 darauf achten, dass keine identifizierbaren Personen erkennbar sind.
Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Beobachtungen per Audio in der App. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.
Wegstrecken und Treffpunkte festlegen. Die zu erkundenden Schulwege sollten nicht zu weit auseinanderliegen, maximal zwei pro Gruppe. Liegt die Schule auf dem Weg, eignet sie sich als Zwischenstopp. Lehrkräfte und Eltern an vereinbarten Punkten im Stadtteil bereitstehen lassen.
Ein spielerischer Einstieg ins Thema gelingt mit dem Schulweg-Bingo: Wer kommt mit dem Fahrrad, wer hat einen weiten Weg, wer überquert eine große Straße? Im Anschluss zeichnen die Kinder ihren eigenen Schulweg und machen sichtbar, welche Orte für sie wichtig sind und an welchen Stellen sie sich besonders wohl oder unsicher fühlen.
Mit analogen Stadtteilkarten (DIN A2 oder A3) tragen die Kinder in kleinen Gruppen ihre Wohnorte ein, vergleichen ihre Wege und entdecken Überschneidungen und Unterschiede. Eine größere Karte (DIN A1) hängt im Klassenraum und sammelt alle Wohnorte mit Klebepunkten. Optional schließt eine kurze Klassenumfrage den Tag ab: Wie kommst du zur Schule? Wie lang ist dein Schulweg?
Die Kinder lernen die App #stadtsache kennen – entweder erhalten ausgewählte „Technik-Kids“ eine Einführung und geben ihr Wissen anschließend weiter, oder die Klasse lernt gemeinsam. Direkt im Anschluss probieren die Kinder die App auf dem Schulhof aus und sammeln erste Erfahrungen mit den Aufgabenstellungen, die später auch im Stadtteil eingesetzt werden.
Nach der Schulhof-Erkundung bleibt Zeit, die Aufnahmen zu sichten und zu bearbeiten. So entstehen erste Einsichten in die Perspektiven der Kinder auf ihren Schulhof – ein Ort, der jeden Tag Teil ihres Schulalltags ist.
Vor dem Loszug klärt die Klasse drei Punkte: Gruppen bilden (etwa vier Kinder mit gemischten Schulwegen, maximal zwei Schulwege pro Gruppe), Aufgaben in der App besprechen, App-Regeln vereinbaren. Dann erkunden die Gruppen mit Tablets ihre Schulwege im Stadtteil, beobachten aufmerksam und tauschen sich über Entdeckungen aus.
Zurück im Klassenraum sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie mit Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Alle bearbeiteten Aufnahmen fließen in eine digitale Karte ein, auf der die Perspektive der Kinder auf ihren Schulweg sichtbar wird.
Innerhalb ihrer Gruppen wählen die Kinder zwei bis drei Aufnahmen aus und zeigen sie ihren Mitschüler:innen mit Hilfe der digitalen Karte. Mitschüler:innen stellen Fragen, die Kinder erklären, was sie beobachtet haben und warum es ihnen wichtig ist.
Anschließend reflektiert die Klasse gemeinsam: Wo fühlst du dich unsicher? Was würdest du an deinem Schulweg verändern? Die wichtigsten Ergebnisse werden im Klassenraum dokumentiert. Die Aufnahmen, die besonders gut zeigen, wo Veränderungen nötig wären, werden für den letzten Projekttag ausgedruckt.
Die Kinder gehen erneut in den Stadtteil und suchen gezielt die Orte auf, an denen sie sich unwohl oder unsicher fühlen. Dort bringen sie ihre gestalteten und ausgedruckten Fotos an – an Zäunen, Laternenpfählen, Bäumen, Fassaden. Die Fotos verweisen auf Orte, an denen sich die Kinder mehr Sicherheit oder Veränderungen wünschen, und richten sich bewusst an andere Menschen im Stadtteil.
So fördert das Sichtbarmachen die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit dem Thema Schulwegsicherheit und stärkt das Gefühl der Kinder, mit ihren Beobachtungen etwas bewirken zu können. Zum Abschluss erhält jedes Kind eine Urkunde.
Der letzte Projekttag bringt die Ergebnisse dorthin, wo sie entstanden sind: zurück in den Stadtteil. Zwei Wege, die sich gut ergänzen:
Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben den Schritt vom Klassenraum in den öffentlichen Raum, weil ihre Aufnahmen den Schutzraum der Schule verlassen. Sie erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Beobachtungen einen sichtbaren Ort bekommen statt im Heft zu verbleiben. Und sie erleben öffentliche Resonanz – Passant:innen werden zum Publikum, und das, was sonst nur die Klasse weiß, wird zur Botschaft an die Erwachsenen im Stadtteil.
Gestaltete und ausgedruckte Fotos werden gezielt an den Orten angebracht, an denen sich Kinder unsicher fühlen – mit Kabelbindern an Zäunen, Laternen oder Bäumen. So entsteht ein öffentlicher Hinweis auf Beobachtungen und Anliegen der Kinder. Wichtig: Das Anbringen vorher mit Schulleitung und – je nach Standort – mit der zuständigen Stadt oder dem Quartiersmanagement abstimmen.
Ergebnisse können auch in der Schule wirken: Schülerratssitzungen, Schulversammlungen, Elternabende oder eine Ausstellung im Schulgebäude. Die digitale Karte lässt sich gut mit von Kindern gestalteten Postern kombinieren – beide Ebenen stützen sich gegenseitig.
Kleine Gruppen mit gemischten Schulwegen. Etwa vier Kinder pro Tablet, gerne mit unterschiedlichen Schulwegen. Das ermöglicht Perspektivwechsel und Einblicke in verschiedene Lebenswelten. Maximal zwei Schulwege pro Gruppe erkunden.
Lehrkräfte als Anker im Stadtteil. Die Kinder ziehen eigenständig los, fühlen sich aber sicherer, wenn sie wissen, wo sie eine vertraute Person treffen können. Eltern können die Begleitung mittragen.
Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Beobachtungen per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern – gerade bei den Begründungen zu „unsicher“ und „unwohl“ zählt der Tonfall oft mehr als ein perfekter Satz.
Materialaufwand insgesamt überschaubar. Was du brauchst:
Das Projekt wurde an der Grundschule Vizelinstraße in Hamburg-Lokstedt entwickelt und erprobt. Drei Klassen der Jahrgänge 3 und 4 haben die fünf Projekttage als kompakte Projektwoche durchgeführt.
Am letzten Projekttag haben die Kinder ihre ausgewählten Fotos im Stadtteil angebracht – an Zäunen, Bäumen und Laternen entlang der untersuchten Schulwege. So wurden ihre Beobachtungen zur Schulwegsicherheit für Passant:innen sichtbar.
Quelle: ScrollyPage „Sicherheit auf dem Schulweg“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).