Schulweg untersuchen

DER HINTERGRUND: Der tägliche Schulweg ist für Kinder ein zentraler Teil ihres Lebensraums. Er verbindet Wohnumfeld und Schule und wird von vielen Kindern eigenständig zurückgelegt. Dabei sammeln sie vielfältige Erfahrungen mit Verkehr, Orientierung und ihrem Gefühl von Sicherheit im öffentlichen Raum. Diese Eindrücke sind eine wichtige Grundlage, um Fragen der Schulwegsicherheit altersgerecht zu thematisieren und die Wahrnehmung für Risiken und unterstützende Bedingungen zu schärfen.

DAS PROJEKT: Die Schülerinnen und Schüler erforschen ihren Schulweg als Teil ihres Lebensraums. Sie identifizieren Orte, an denen sie sich besonders wohl, sicher oder unsicher fühlen, und dokumentieren ihre Beobachtungen digital. Durch Austausch und gemeinsame Reflexion entwickeln sie ein Verständnis dafür, was einen sicheren Schulweg ausmacht. Ausgewählte Ergebnisse werden öffentlich im Stadtteil präsentiert und ermöglichen es den Kindern, ihre Perspektiven einzubringen und andere für das Thema Schulwegsicherheit zu sensibilisieren.

Verantwortung

Mehr Sicherheit auf dem Schulweg

5 Tage Schulwege Klasse 3–4
Dauer 5 Projekttage – als kompakte Projektwoche oder über mehrere Wochen verteilt
Klassenstufe 3. bis 4. Klasse
Fachbezug Sachunterricht, Mobilitätsbildung, Medienkompetenz
Voraussetzung Tablets – ein Gerät pro Gruppe genügt
App-Lizenz #stadtsache, 30 € inkl. MwSt. pro Klasse. Aufgaben sind vorbereitet und lassen sich anpassen oder ergänzen. Alle Ergebnisse stehen am Ende als Download zur Verfügung.
Ergebnis Alle Ergebnisse aus der App lassen sich präsentieren, drucken und am letzten Projekttag im Stadtteil öffentlich anbringen

Wirkung im Stadtteil, öffentlich sichtbar: Spuren hinterlassen

Worum geht’s?

Kinder erforschen ihren Schulweg als Teil ihres Lebensraums. Welche Orte fühlen sich sicher an, welche unsicher, wo wünschen sie sich Veränderungen? Mit der App #stadtsache halten sie ihre Beobachtungen fest und entwickeln im Austausch und in der gemeinsamen Reflexion ein Verständnis dafür, was einen sicheren Schulweg ausmacht.

Ausgewählte Ergebnisse werden am letzten Projekttag im Stadtteil öffentlich sichtbar gemacht – direkt an den Orten, an denen sie entstanden sind. Kinder erfahren so, dass ihre Beobachtungen Bedeutung haben und dass sie mit ihrem Wissen andere informieren und zur Schulwegsicherheit beitragen können.

Was lernen Kinder?

Vier Lernziele stehen im Mittelpunkt – sie greifen Sachunterricht, Mobilitätsbildung und Medienkompetenz auf:

01 Sie machen ihre Erfahrungen auf den Schulwegen sichtbar.
02 Sie entwickeln ein Bewusstsein für Sicherheit im öffentlichen Raum.
03 Sie erfahren, dass sie mit ihrem Wissen andere informieren und zur Schulwegsicherheit beitragen können.
04 Sie stärken persönliche, partizipative und digitale Kompetenzen.

So läuft’s ab

Fünf Projekttage, flexibel im Schulalltag verteilt oder als kompakte Projektwoche. Die Erkundung der Schulwege folgt drei Aufgaben, die in der App #stadtsache als Sammlungen angelegt sind:

#sicher

Zeige uns deinen sichersten Schulweg.

  • Wo sind besonders sichere Übergänge, zum Beispiel an Zebrastreifen oder Ampeln?
  • Was macht diese Stellen sicher?
#unsicher

Zeige uns die unsicheren Stellen auf deinem Schulweg.

  • Wo fühlst du dich unsicher, zum Beispiel wenn du die Straße überquerst?
  • Was würde den Schulweg sicherer machen?
#unwohl

An welchen Orten fühlst du dich unwohl?

  • Sind dort zum Beispiel Hunde, Menschen oder dunkle Ecken, die dir Sorgen machen?
  • Was würde dir helfen, dich an diesen Orten wohler zu fühlen?
Vor dem Start: Was die Lehrkraft vorbereitet

Eltern kurz informieren. Kinder gehen mehrfach in den Stadtteil und nehmen Fotos auf. Eine kurze Elterninfo zu Ablauf, Umgang mit Bildern (keine Gesichter, keine Namen, Smileys über versehentliche Aufnahmen) und Begleitung schafft Klarheit – Schulleitung und Datenschutzbeauftragte können den genauen Wortlaut prüfen.

Anbringen im öffentlichen Raum vorab klären. Der zentrale Schritt am Tag 5 funktioniert nur mit grünem Licht: erst mit der Schulleitung sprechen, dann – je nach Standort – mit Stadt, Bezirksamt oder Quartiersmanagement. Ohne Abstimmung kein Anbringen. Lieber zwei Wochen vorher klären als am Tag selbst improvisieren.

Datenschutz im Stadtteil mitdenken. Fotos von Geschäften, Wohnhäusern oder Privatpersonen brauchen Fingerspitzengefühl. Im Zweifel bewusst Ausschnitte und Detailperspektiven wählen statt Innenansichten. Beim Anbringen am Tag 5 darauf achten, dass keine identifizierbaren Personen erkennbar sind.

Differenzierung gleichwertig anlegen. Bild- und Audioaufnahmen sind gleichwertig zu geschriebenem Text. Kinder mit Schreib- oder Sprachhürden begründen ihre Beobachtungen per Audio in der App. In den Gruppen Stärken mischen: Fotograf:in, Erzähler:in, Karten-Profi.

Wegstrecken und Treffpunkte festlegen. Die zu erkundenden Schulwege sollten nicht zu weit auseinanderliegen, maximal zwei pro Gruppe. Liegt die Schule auf dem Weg, eignet sie sich als Zwischenstopp. Lehrkräfte und Eltern an vereinbarten Punkten im Stadtteil bereitstehen lassen.

Tag 1: Einstimmen

Schulweg-Bingo · Stadtteilkarten lesen

Ein spielerischer Einstieg ins Thema gelingt mit dem Schulweg-Bingo: Wer kommt mit dem Fahrrad, wer hat einen weiten Weg, wer überquert eine große Straße? Im Anschluss zeichnen die Kinder ihren eigenen Schulweg und machen sichtbar, welche Orte für sie wichtig sind und an welchen Stellen sie sich besonders wohl oder unsicher fühlen.

Mit analogen Stadtteilkarten (DIN A2 oder A3) tragen die Kinder in kleinen Gruppen ihre Wohnorte ein, vergleichen ihre Wege und entdecken Überschneidungen und Unterschiede. Eine größere Karte (DIN A1) hängt im Klassenraum und sammelt alle Wohnorte mit Klebepunkten. Optional schließt eine kurze Klassenumfrage den Tag ab: Wie kommst du zur Schule? Wie lang ist dein Schulweg?

Tag 2: Einstimmen

App kennenlernen · Schulhof-Erprobung

Die Kinder lernen die App #stadtsache kennen – entweder erhalten ausgewählte „Technik-Kids“ eine Einführung und geben ihr Wissen anschließend weiter, oder die Klasse lernt gemeinsam. Direkt im Anschluss probieren die Kinder die App auf dem Schulhof aus und sammeln erste Erfahrungen mit den Aufgabenstellungen, die später auch im Stadtteil eingesetzt werden.

Nach der Schulhof-Erkundung bleibt Zeit, die Aufnahmen zu sichten und zu bearbeiten. So entstehen erste Einsichten in die Perspektiven der Kinder auf ihren Schulhof – ein Ort, der jeden Tag Teil ihres Schulalltags ist.

Tag 3: Erkunden und Bearbeiten

Schulwege erkunden · Aufnahmen sichten

Vor dem Loszug klärt die Klasse drei Punkte: Gruppen bilden (etwa vier Kinder mit gemischten Schulwegen, maximal zwei Schulwege pro Gruppe), Aufgaben in der App besprechen, App-Regeln vereinbaren. Dann erkunden die Gruppen mit Tablets ihre Schulwege im Stadtteil, beobachten aufmerksam und tauschen sich über Entdeckungen aus.

Zurück im Klassenraum sichten und sortieren die Kinder ihre Aufnahmen, ergänzen sie mit Schrift, Audio oder Zeichnungen und überdecken versehentlich aufgenommene Gesichter mit Smileys. Alle bearbeiteten Aufnahmen fließen in eine digitale Karte ein, auf der die Perspektive der Kinder auf ihren Schulweg sichtbar wird.

App-Regeln für die Kinder
  • Fotografiere keine Gesichter und mache keine Selfies.
  • Nenne keine Namen.
  • Schreibe keine Beleidigungen, auch keine beleidigenden Emojis.
  • Wähle erst eine Aufgabe, mache dann ein Foto.
  • Wird ein Foto grau, App sofort schließen und neu starten.
  • Tablet beim Fotografieren aufrecht halten.
  • Hab Spaß.

Tag 4: Präsentieren

Aufnahmen zeigen · Auswahl für Tag 5

Innerhalb ihrer Gruppen wählen die Kinder zwei bis drei Aufnahmen aus und zeigen sie ihren Mitschüler:innen mit Hilfe der digitalen Karte. Mitschüler:innen stellen Fragen, die Kinder erklären, was sie beobachtet haben und warum es ihnen wichtig ist.

Anschließend reflektiert die Klasse gemeinsam: Wo fühlst du dich unsicher? Was würdest du an deinem Schulweg verändern? Die wichtigsten Ergebnisse werden im Klassenraum dokumentiert. Die Aufnahmen, die besonders gut zeigen, wo Veränderungen nötig wären, werden für den letzten Projekttag ausgedruckt.

Tag 5: Sichtbar werden

Fotos im Stadtteil anbringen · Urkunde

Die Kinder gehen erneut in den Stadtteil und suchen gezielt die Orte auf, an denen sie sich unwohl oder unsicher fühlen. Dort bringen sie ihre gestalteten und ausgedruckten Fotos an – an Zäunen, Laternenpfählen, Bäumen, Fassaden. Die Fotos verweisen auf Orte, an denen sich die Kinder mehr Sicherheit oder Veränderungen wünschen, und richten sich bewusst an andere Menschen im Stadtteil.

So fördert das Sichtbarmachen die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit dem Thema Schulwegsicherheit und stärkt das Gefühl der Kinder, mit ihren Beobachtungen etwas bewirken zu können. Zum Abschluss erhält jedes Kind eine Urkunde.

Abschluss: Spuren hinterlassen

Der letzte Projekttag bringt die Ergebnisse dorthin, wo sie entstanden sind: zurück in den Stadtteil. Zwei Wege, die sich gut ergänzen:

Pädagogisch wirkt dieser Abschluss auf drei Ebenen: Die Kinder erleben den Schritt vom Klassenraum in den öffentlichen Raum, weil ihre Aufnahmen den Schutzraum der Schule verlassen. Sie erleben Selbstwirksamkeit, weil ihre Beobachtungen einen sichtbaren Ort bekommen statt im Heft zu verbleiben. Und sie erleben öffentliche Resonanz – Passant:innen werden zum Publikum, und das, was sonst nur die Klasse weiß, wird zur Botschaft an die Erwachsenen im Stadtteil.

Aufnahmen im Stadtteil anbringen

Gestaltete und ausgedruckte Fotos werden gezielt an den Orten angebracht, an denen sich Kinder unsicher fühlen – mit Kabelbindern an Zäunen, Laternen oder Bäumen. So entsteht ein öffentlicher Hinweis auf Beobachtungen und Anliegen der Kinder. Wichtig: Das Anbringen vorher mit Schulleitung und – je nach Standort – mit der zuständigen Stadt oder dem Quartiersmanagement abstimmen.

In der Schule präsentieren

Ergebnisse können auch in der Schule wirken: Schülerratssitzungen, Schulversammlungen, Elternabende oder eine Ausstellung im Schulgebäude. Die digitale Karte lässt sich gut mit von Kindern gestalteten Postern kombinieren – beide Ebenen stützen sich gegenseitig.

Tipps und Stolpersteine

Kleine Gruppen mit gemischten Schulwegen. Etwa vier Kinder pro Tablet, gerne mit unterschiedlichen Schulwegen. Das ermöglicht Perspektivwechsel und Einblicke in verschiedene Lebenswelten. Maximal zwei Schulwege pro Gruppe erkunden.

Lehrkräfte als Anker im Stadtteil. Die Kinder ziehen eigenständig los, fühlen sich aber sicherer, wenn sie wissen, wo sie eine vertraute Person treffen können. Eltern können die Begleitung mittragen.

Audio ist ein gleichwertiger Weg. Kinder, denen Schreiben schwerfällt, begründen ihre Beobachtungen per Audio in der App. Das hebt die Hürde, ohne die Aufgabe zu verändern – gerade bei den Begründungen zu „unsicher“ und „unwohl“ zählt der Tonfall oft mehr als ein perfekter Satz.

Nach dem Projekt

Für die Lehrkraft: drei Fragen zum Mitnehmen

Frage 1 Welche Orte haben die Kinder als unsicher beschrieben, die für mich bisher unauffällig waren – und was sagt das über die Differenz unserer Perspektiven?
Frage 2 Wie hat das öffentliche Anbringen der Fotos die Kinder verändert – haben sie sich selbst anders wahrgenommen, nachdem ihre Beobachtungen im Stadtteil zu sehen waren?
Frage 3 Gibt es eine konkrete Stelle auf den Schulwegen, an der ich oder die Schule nachhaken sollten – bei Eltern, Stadt oder Verkehrsplanung?

Material

Materialaufwand insgesamt überschaubar. Was du brauchst:

Stadtteilkarten Mindestens DIN A3, in DIN A1 für die große Klassenkarte. Selbst ausgedruckt oder in der Touristeninformation abgeholt.
Schulweg-Bingo PDF auf der DigiSchuKuMPK-Seite.
Vorlage Schulweg PDF zum Zeichnen des eigenen Schulwegs am Tag 1.
Klebepunkte Für die Markierung der Wohnorte auf der großen Klassenkarte.
Umfrage Schulweg PDF mit Antwortvorgaben für die optionale Klassenumfrage am Tag 1.
Tablets Mit der App #stadtsache. Pro Gruppe ein Gerät reicht.
Druckerei für Fotos Quadratisches Format, damit nichts Wichtiges von Foto oder Text verloren geht.
Kabelbinder Zum Anbringen der ausgedruckten Fotos im Stadtteil.
Urkunde zum Abschluss Würdigt die selbstständige Auseinandersetzung mit dem eigenen Sozialraum.

Aus der Praxis: Grundschule Vizelinstraße

Das Projekt wurde an der Grundschule Vizelinstraße in Hamburg-Lokstedt entwickelt und erprobt. Drei Klassen der Jahrgänge 3 und 4 haben die fünf Projekttage als kompakte Projektwoche durchgeführt.

Am letzten Projekttag haben die Kinder ihre ausgewählten Fotos im Stadtteil angebracht – an Zäunen, Bäumen und Laternen entlang der untersuchten Schulwege. So wurden ihre Beobachtungen zur Schulwegsicherheit für Passant:innen sichtbar.

Quelle: ScrollyPage „Sicherheit auf dem Schulweg“ aus dem Verbundprojekt DigiSchuKuMPK, Community of Practice 2 (Universität Hamburg).

Vorlagen zum Ausdrucken:

Ein motivierender Einstieg in das Thema gelingt mit einem Schulweg-Bingo. Auf spielerische Weise erfahren die Kinder dabei unter anderem, wer mit dem Fahrrad zur Schule kommt, wer einen weiten Schulweg hat oder wer eine große Straße überqueren muss.

1 x pro Kind ausdrucken

Eine intensivere Auseinandersetzung mit dem eigenen Schulweg ist möglich, wenn Schüler:innen ihren Schulweg zeichnen. So wird deutlich, welchen Weg die Kinder täglich zurücklegen. Gleichzeitig können sie zeigen, welche Orte auf ihrem Weg liegen, wen sie treffen oder was ihnen sonst noch wichtig an ihrem Schulweg ist.

1 x pro Kind ausdrucken

Wenn Zeit ist, kann zum Abschluss von Tag 1 noch eine Umfrage durchgeführt werden, mit der sich recht schnell ein Gesamtbild für die ganze Klasse erstellen lässt. Bei jeder Frage können die Kinder zwischen mehreren Antwortvorgaben wählen und an der entsprechenden Stelle einen Klebepunkt hinterlassen.

1 x pro Klasse ausdrucken (gilt auch für die beiden folgenden PDFs)

Abschließend erhalten die Kinder eine Urkunde. Sie würdigt die aktive und selbstständige Auseinandersetzung der Kinder mit ihrem Sozialraum sowie den dabei erworbenen Kompetenzen.

1 x pro Klasse ausdrucken